Oles Blog über Entdecker und Helden


Hallo! Ich bin Ole, und das hier ist mein Blog.

Mission mit Schwein ist nämlich meine Geschichte. Die Geschichte, wie ich ein Held
geworden bin, zusammen mit meinen Freunden India und Patrick. Und natürlich mit Opa.
Ein Held zu werden, ist gar nicht einfach. Ich hätte es fast nicht geschafft. Aber Opa hat
mir immer aus unserem Lieblingsbuch vorgelesen, dem über die großen Entdecker. Daher
wusste ich, was mich erwartet. Bei so einem Abenteuer muss man echt mit allem rechnen.
Entdecker müssen furchtbare Qualen überstehen. Hunger, Durst und eingefrorene Zehen.
Und manchmal warten am Ende sogar Kannibalen auf sie.

Einige meiner Vorbilder stelle ich Euch hier vor. Schaut doch mal
rein und schreibt mir, was Ihr denkt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch

Euer Ole

Dienstag, 9. April 2013

Francis Drake - Pirat im Auftrag der Königin

Wer oder was war Francis Drake? Das ist echt eine schwierige Frage. In England war er ein Held. Er war Bürgermeister, Ritter und Entdecker. Ein reicher Edelmann und Admiral. Aber die Spanier mochten ihn gar nicht. Sie gaben ihm den Spitznamen "El Draque", der Drache. Denn sie hielten ihn für den schlimmsten Piraten aller Zeiten. So übel, dass der spanische König Felipe II sogar 20.000 Dukaten auf seinen Kopf ausgesetzt hatte. Das sind heute über 5 Mio Euro. Tod oder lebendig!



Statue von Francis Drake bei Plymouth,  Foto: Philip Hallig 2010, CC-BY-SA 2.0


Was man von Francis Drake hält, kommt wohl darauf an, ob man zu den Menschen gehört, die ausgeraubt wurden oder zu denen, die einen Teil der Beute abbekamen. Die englische Königin Elisabeth I freute sich über seine Überfälle. Sie hatte schon lange Streit mit den Spaniern, die überall Kolonien bauten. Außerdem bekam sie bestimmt einen Teil der Beute. So machten das die anständigen Freibeuter früher. Sie raubten nicht jeden einfach aus, sondern nur die Feinde ihres Königreiches und teilten ihre Beute mit ihrem Land. Deswegen wurden sie dort auch Freibeuter genannt, weil das edler klingt als Pirat. Und so ein Freibeuter war Francis Drake.

Dabei fängt sein Leben ganz langweilig an.
Francis Drake ist eines von zwölf Kindern. Niemand macht sich die Mühe, seinen Geburtstag aufzuschreiben. Er soll um 1540 in Tavistock, im Südwesten Englands geboren worden sein. Es kann aber auch ein paar Jahre früher oder später gewesen sein. Sein Vater arbeitet als Pfarrer. Da gibt es nicht viel Geld. Francis ist vielleicht 13 Jahre alt, als er als Schiffsjunge anheuern muss. Aber er ist ziemlich schlau und arbeitet sich hoch, lernt Steuern und Navigieren. Mit Anfang 20 übernimmt er das Kommando auf einem Schiff seines Cousins John Hawkins. Mit einer Flotte aus sechs Schiffen versuchen sie, das spanische Handelsmonopol zu unterlaufen.
Jetzt wird es interessant. Die Spanier haben nämlich Kolonien in Mittelamerika, mit deren Siedlern sie eifrig Waren austauschen. Natürlich möchten auch andere Kaufleute mit den Siedlern handeln. Aber der spanische König Filipe II verbietet seinen katholischen Untertanen, mit den protestantischen Engländern zu handeln. Ob das wirklich etwas mit Gott zu tun hat, weiß ich nicht. Denn bei diesem Handel geht es darum, den Siedlern in den Kolonien Arbeitssklaven aus Schwarzafrika zu verkaufen. Und alles, was mit Sklaven zu tun hat, ist doch wirklich nicht sehr christlich. Egal ob katholisch oder protestantisch. Aber so war das damals. Jedenfalls wollen Drake und sein Cousin eine Fuhre mit Sklaven verkaufen, die sie vorher in Afrika an Bord genommen haben. Leider werden sie ihre Sklaven nicht los. Das wäre ja noch gegangen, aber dann greifen die Spanier an. Einfach so. Im Hafen von Veracruz in Mexiko versenken sie vier von ihren sechs Schiffen. Drake und sein Cousin lassen sie entkommen. Aber das ist ein böser Fehler. Denn von diesem Tag an hasst Francis Drake Spanien mitsamt seinem König Felipe II.

Von Rache getrieben legt sich Francis Drake kleine Boote zu, die sich gut steuern lassen. Er stellt entlaufene Sklaven ein, die die Spanier ebenso hassen wie er und beginnt die spanischen Kolonien in der Karibik und Mittelamerika zu überfallen. Er jagt spanische Handelsschiffe und plündert die Häfen. Den Menschen, die sich ergeben, tut er nichts. Er stiehlt ihnen auch keine persönlichen Dinge. Nur auf die Schätze des Königs hat er es abgesehen. Gold, Silber, Gewürze egal. Er nimmt alles. So wird er schnell ein ziemlich reicher und bekannter Mann.

Queen Elizabeth I um 1575, unbekannter niederländischer Künstler, National Portrait Gallery, London, CC-BY-NC-ND 3.0




Offiziell hat Königin Elizabeth I natürlich nichts mit seinen Überfällen zu tun. Denn eigentlich herrscht zwischen England und Spanien noch Frieden. Insgeheim freut sie sich aber diebisch. Heimlich gibt sie 1577 Francis Drake den Auftrag, auch die spanischen Kolonien an der Westküste, also auf der anderen Seite von Mittelamerika, anzugreifen. Damit beginnt das Abenteuer der ersten englischen Weltumsegelung.

1578 erreicht Francis Drake die südlichste Spitze von Südamerika. Vier Schiffe und einen Teil der Besatzung hat er auf der Fahrt schon verloren. Nur sein eigenes Schiff, die Pelican ist ihm geblieben. Er nennt sie um in "Golden Hind", also goldene Hirschkuh. Ich finde, dass das ein ziemlich blöder Name für ein Schiff ist. Aber das muss ja jeder selbst wissen. Mit der Golden Hirschkuh segelt er um die Spitze von Südamerika herum. Dann, auf dem Weg nach Norden, überfällt er einen Hafen nach dem anderen. Vor Ecuador kapert er sogar ein Schiff auf offener See. Das muss ein echter Glücksgriff gewesen sein. 26 Tonnen Silber, 40 Kilo Gold und Kisten mit Juwelen findet er an Bord. Bei einem anderen Überfall erbeutet er geheime spanische Seekarten. Er sammelt so viele Schätze, dass er einige schließlich versenken muss, damit sein Schiff noch fahren kann. Die Golden Hind ist eine schwimmende Schatzkammer.

 Nachbau der "Golden Hind" in London, Foto: Joe L. Marin, CC-BY-SA 3.0

An Bord ist "Captain Francis", wie er von seinen Leuten genannt wird, streng aber fair. Alle müssen mit anfassen. Er selbst genauso wie jeder andere. Außerdem werden Kirchenlieder gesungen, und Drake liest Geschichten von protestantischen Märtyrern vor - jeden Tag, stundenlang, wie ein Gefangener berichtet. Daneben genießt Drake das Leben wie ein Gentleman. Er nascht die feinsten Speisen von Gold verzierten Tellern, er malt Bilder von den fremden Landschaften, den Menschen, Pflanzen und Tieren, und er lässt sich auf der Geige vorspielen.


Weltumsegelung des Francis Drake, Karte: Lencer 2006, CC-BY-SA 3.0

Von Nordamerika aus, steuert Francis Drake wieder Richtung Westen, durch das heutige Indonesien bis nach Afrika, um das Kap der Guten Hoffnung herum und wieder hinauf, zurück nach England. Das ist damals echt eine Sensation. Vor ihm hat noch nie jemand die ganze Welt umsegelt. Also Magellan hat es natürlich versucht. Aber der ist gestorben. Im September 1580, nach fast drei Jahren, ist Francis Drake wieder zuhause. Als erster Engländer hat er die ganze Welt umrundet. Natürlich ist er jetzt überall bekannt. Als Elizabeth I ihn am 4. April 1581 an Bord seiner Hirschkuh zum Ritter schlagen will, muss sie sich den Weg durch eine riesige Menschenmenge im Hafen ebnen, die alle gekommen sind, um Drake zu sehen.

Francis Drake wird durch Queen Elizabeth I zum Ritter geschlagen, unbekannter Künstler,
National Portrait Gallery, London, CC-BY-NC-ND 3.0

Danach wird sein Leben zunächst etwas langweiliger. Francis Drake kauft die ehemalige Abtei Buckley Abbey als Wohnsitz, dazu jede Menge Land. Er wird sogar zum Bürgermeister gewählt. Aber lange hält er das Leben an Land wohl nicht aus. 1585 ist er schon wieder unterwegs - als Pirat, wie die Spanier bald merken. Wieder überfällt er Hafenstädte in Spanien, der Karibik und Florida. 1587 überfällt er spanische Kriegsschiffe direkt in ihrem Hafen in Cadiz. In einer Schlacht, die anderthalb Tage lang tobt, versenkt er 30 Stück. Er selbst verliert kein einziges Schiff. Kein Wunder, dass es jetzt die Spanier sind, die Rache schwören. 1588 greifen sie mit ihrer Armada (so nennen sie ihre Flotte) England an. Drake mischt eifrig mit und trägt maßgeblich zur Abwehr des spanischen Überfalls bei. Der Gegenangriff läuft dann aber nicht so gut. Francis Drake, der mittlerweile Admiral ist, wird entlassen. Er arbeitet ein paar Jahre als Politiker. Aber zum Schluss zieht es ihn wieder hinaus aufs Meer.

Am 28 Januar 1596 stirbt Sir Francis Drake bei einem Angriff auf einen Hafen in Panama. Seine Flotte wird von den Spaniern übel geschlagen. Er selbst kämpft jedoch gar nicht mit, weil er schon mit Fieber im Bett liegt. Am Ende stirbt er an einer ganz normalen Infektion. Wie es sich für einen echten Seemann gehört, wird seine Leiche im Meer versenkt.
Francis Drake um 1583 von Jodocus Hondius dem Älteren,
National Portrait Gallery, London, CC-BY-NC-ND 3.0


Ob er nun Pirat oder Edelmann war, ist eben schwierig zu sagen. Er hatte keine Augenklappe oder ein Holzbein. Er schwenkte auch nicht die schwarze Flagge, die mit dem Totenschädel. Die wurde sowieso erst später erfunden. Immerhin, wenn man genau hinschaut, sieht man, dass er einen Ohrring trägt - zumindest auf manchen Bildern.
Auf jeden Fall hat er insgesamt fast 90 Mio. Euro erbeutet. Damit ist er der zweit-erfolgreichste Pirat aller Zeiten. Das behauptet zumindest das Forbes Magazin, und die kennen sich mit sowas aus.



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