Oles Blog über Entdecker und Helden


Hallo! Ich bin Ole, und das hier ist mein Blog.

Mission mit Schwein ist nämlich meine Geschichte. Die Geschichte, wie ich ein Held
geworden bin, zusammen mit meinen Freunden India und Patrick. Und natürlich mit Opa.
Ein Held zu werden, ist gar nicht einfach. Ich hätte es fast nicht geschafft. Aber Opa hat
mir immer aus unserem Lieblingsbuch vorgelesen, dem über die großen Entdecker. Daher
wusste ich, was mich erwartet. Bei so einem Abenteuer muss man echt mit allem rechnen.
Entdecker müssen furchtbare Qualen überstehen. Hunger, Durst und eingefrorene Zehen.
Und manchmal warten am Ende sogar Kannibalen auf sie.

Einige meiner Vorbilder stelle ich Euch hier vor. Schaut doch mal
rein und schreibt mir, was Ihr denkt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch

Euer Ole

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Leonardo da Vinci, der Alleskönner

Leonardo da Vinci war einfach genial. Er malte wunderschöne Bilder und baute Musikinstrumente. Er konstruierte Brücken und Abwassersysteme, studierte den menschlichen Körper, beobachtete die Natur, erfand Waffen und raffinierte Maschinen. Man könnte fast glauben, dass er aus der Zukunft kam. Denn irgendwie war er seinen Mitmenschen hunderte von Jahren voraus.

Die Statue von Leonardo da Vinci, die Luigi Pampaloni 1837-39 aus Stein schuf,
steht in den Uffizien in Florenz/Italien, kein Copyright

Leonardo da Vinci hieß eigentlich Leonardo di ser Piero, also Leonardo, Sohn des Herrn Piero. Vinci ist gar kein richtiger Nachname, sondern der Name des Ortes, wo Leonardo am 15. April 1452 geboren wurde. Er liegt in der italienischen Region Toskana. Sein Vater war ein gebildeter Mann, seine Mutter eine Bäuerin oder eine Sklavin. Jedenfalls waren seine Eltern nicht verheiratet, das war damals nicht so gut. Aber sein Vater war wohl ein netter Mensch. Er nahm Leonardo als Sohn bei sich auf und sorgte für seine Ausbildung. 

Es gibt eine lustige Geschichte aus Leonardos Kindheit. Einer der Bauern des Dorfes hatte sich ein rundes Schild gebaut und wollte, dass Ser Piero es für ihn bemalen ließ. Sir Piero gab es seinem Sohn, und Leonardo bemalte das Schild mit einem feuerspeienden Ungeheuer. Das Monster muss so genial fürchterlich ausgesehen haben, dass sein Vater es sofort an einen Kunsthändler verkaufte. Der Bauer bekam stattdessen ein anderes Schild zurück, auf dem nur ein langweiliges Herz mit Pfeil war.

Ich glaube, jedem war damals schon klar, dass Leonardo kein normaler Mensch war. Mit 14 Jahren durfte er in der besten Werkstatt von Florenz beim Künstler Verrocchio eine Ausbildung beginnen. Weil Verocchio den jungen Leonardo so hübsch fand, musste er ihm nebenbei Modell stehen. Verrocchios David Statue zeigt vermutlich Leonardo. Der abgeschlagene Kopf von Davids Gegner Goliath liegt zu seinen Füßen.

Die Bronzestatue des David von Andrea del Verrocchi (1473-1475)
 steht im Palazzo del Bargello in Florenz, Foto: Sailko cc-by-sa 3.0

Damals lernte man als Kunstschüler nicht nur Malen, Zeichnen und Bildhauen, sondern auch Chemie und Mechanik, das Arbeiten mit Metall und Leder und Schreinern mit Holz. Leonardo bekam Kontakt zu den gelehrten seiner Zeit. Denn in der Gilde (so nannte man früher die Handwerkskammer) waren die Künstler zusammen mit den Ärzten und Apothekern organisiert, und Meister Verrocchio bestand darauf, dass seine Schüler den Aufbau des menschlichen Körpers zusammen mit den Ärzten studierten. Für Leonardo, der so viele verschiedene Talente und Interessen hatte, muss die Lehre großartig gewesen sein.
Wie alle Schüler, musste Leonardo seinem Meister bei der Arbeit helfen. Verocchio skizzierte seine Bilder selbst, und ließ sie von den Mitarbeitern seiner Werksatt zu Ende malen. Das war so üblich. Einmal verlangte Verrocchio, dass Leonardo einen kleinen Engel am Rand eines Bildes malen sollte. Der Kunstwissenschaftler Vasari berichtet, dass Verrocchio Leonardos Malerei so überragend fand, dass er seinen eigenen Pinsel weglegte und sich seitdem weigerte, selber noch irgendetwas zu malen.

"Die Taufe Christi" von Andrea del Verrocchio hängt ebenfalls in den Uffizien in Florenz.
Von Leonardo stammt vermutlich der Engel, der das Gewand trägt.
Bild: The Yorck Project, Directmedia

Nach seiner Lehre lebte Leonardo in Florenz. Aber mit dreißig bekam er eine Anstellung am Hofe des Herzogs von Mailand. 17 Jahre verbrachte er dort, abgesehen von einer kurzen Reise nach Ungarn. Aber 1499 musste er aus Mailand fliehen, denn die Stadt wurde von den Franzosen eingenommen. Über Umwege kehrte er nach Florenz zurück. 1512 zog er für kurze Zeit nach Rom und verbrachte schließlich die letzten Jahre seines Lebens auf Château du Clos Lucé, in Frankreich, wo ihm König Franz, der Leonardo bewunderte, bis zu Leonardos Tod am 2. Mai 1519 das ganze Schloss überließ.

Château du Clos Lucé in Amboise, Frankreich,
Foto: Nadègevillain, 2004, cc-by-sa 3.0

Leonardos Ölbilder sind die berühmtesten und teuersten Bilder aller Zeiten. Leider gibt es nur sehr wenige. Einige hat er nie fertig gestellt und von den anderen haben nur wenige die letzten 500 Jahre überdauert. Das liegt vielleicht daran, dass Leonardo gerne mit neuen Farben und Techniken experimentiert hat. Nicht alle waren besonders haltbar. Zum anderen glaube ich, dass Leonardo sich gar nicht so sehr für das Malen interessierte. Es war natürlich eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Aber er hatte so viele Talente, dass er dazu neigte, sich zu verzetteln.

Egal, wo er hinging, hatte er immer ein Notizbuch dabei. Überall machte er sich Skizzen von Menschen, zeichnete Ideen und schrieb einfach alles auf, was ihm einfiel. Dann forschte er, beobachtete stundenlang den Flug eines Vogel oder einer Libelle, schnitt Leichen auf oder konstruierte eine neue Maschine. Deswegen konnte ein Auftrag für ein Kunstwerk auch ein paar Jahre liegen bleiben. Ich glaube, seine Auftraggeber fanden das nicht immer gut.

Einmal sollte Leonardo ein riesiges Bild auf eine ganze Wand des Klosters Santa Maria delle Grazie malen. Es zeigt Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl, gerade in dem Moment, in dem Jesus seinen Freunden mitteilt, dass einer von ihnen Jesus noch in derselben Nacht den Römern zur Kreuzigung ausliefern würde. Das Bild hatte der damalige Herzog Ludovico Sforza bestellt.
Wieder trödelte Leonardo bei der Arbeit, bis sich der Prior, also der Chef des Klosters, schließlich beim Herzog beschwerte. Leonardo erklärte dem Herzog daraufhin, dass er über verschiedene Dinge nachdenke müsste, zum Beispiel habe er noch kein Modell für den bösen Verräter Judas. Wenn aber der Prior ihn weiter drängen würde, würde er das Gesicht des Priors als Vorbild für Judas benutzen. Darüber musste der Herzog lachen und der Prior ließ Leonardo danach lieber in Ruhe.
Das Gemälde ist eines seiner berühmtesten Werke. Aber leider hat Leonardo bei den Farben irgendetwas falsch gemacht. Schon 100 Jahre später war es völlig ruiniert. In den letzten Jahren wurde es aufwendig restauriert. In der Mitte unter dem Tisch, dort wo Jesu Füße sein müssten, fehlt jedoch ein Stück, weil irgendwann jemand eine Tür in die Wand des Klosters gebrochen hat, mitten durch das Bild durch.

„Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci

Das wohl berühmteste Werk von Leonardo da Vinci ist die Mona Lisa. Sie entstand zwischen 1503 und 1506, genauer weiß man es nicht. Das Bild ist ziemlich klein, gerade einmal 77cm mal 53cm groß, aber trotzdem etwas ganz besonderes. Sowohl die Einteilung des Bildes als auch die Maltechnik waren im damaligen Italien ganz neu. Aber das Ungewöhnlichste ist das Lächeln.
Niemand weiß, wer Mona Lisa war. Die einen sagen, Mona Lisa könnte die Neapolitanerin Lisa Gherardini, Frau von Francesco del Giocondo gewesen sein. Aber andere denken, dass Leonardo vermutlich seinen Liebhaber Salai gemalt hat. Wenn man die Buchstaben vertauscht, wird aus „Mona Lisa“ „Mon Salai“, und das heißt „mein Salai“. Außerdem hat Leonardo das Bild behalten und bei jedem Umzug bis nach Frankreich mitgenommen. An einer Auftragsarbeit von irgendeinem italienischen Tuchhändler hätte er bestimmt nicht so gehangen.

Die „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci hängt heute im Louvre in Paris

Leonardo war ein Tüftler. In der Malerei setzte er neue Farben und Techniken ein. Eine seiner Entwicklungen war die Sfumato-Technik, mit der er zum Beispiel die Landschaft im Hintergrund der Mona Lisa gemalt hat. Sie wirkt leicht verschwommen und irgendwie weiter weg, fast wie auf einem Foto. Aber Fotos gab es damals natürlich noch nicht. Außerdem hat er sich sehr genau mit Licht und Schatten beschäftigt, um zum Beispiel das Gesicht der Mona Lisa zu betonen.

Eigentlich war Leonardo kein großer Mathematiker, aber er interessierte sich sehr für die Geometrie. Zusammen mit seinem Freund, dem Mathematiker Luca Pacioli, arbeitete er an einem Buch über „das göttliche Verhältnis“. Wahrscheinlich hat er dabei ein Buch von Vitruv gelesen. Vitruv war ein römischer Architekt, der über 1500 Jahre vor Leonardo gelebt hat. Vitruv hatte sich sehr mit Proportionen beschäftigt, hauptsächlich von Gebäuden, aber an einer Stelle bezieht er seine Theorie auch auf den menschlichen Körper. Leonardo skizzierte daher 1492 den perfekten Menschen und bewies, dass sich der aufrecht stehende Mensch sowohl in einen Kreis als auch in ein Quadrat einfügen lässt. Lustigerweise sind die Mittelpunkte der beiden Formen in Leonardos Zeichnung zueinander verschoben. Der Mittelpunkt des Kreises liegt im Bauchnabel des Menschen, der des Quadrats liegt aber im Penis.

„Der vitruvianische Mensch“ von Leonardo da Vinci, Accademia/Venedig,
Foto: Luc Viatour, http://www.lucnix.be

Über, unter und um seine Zeichnungen herum machte Leonardo sich Notizen in Spiegelschrift. Warum er in Spiegelschrift schrieb, weiß man nicht. Vielleicht war es für ihn als Linkshänder einfacher, oder er dachte, es sei eine gute Geheimschrift, damit nicht jeder seine Ideen lesen konnte.

Er hatte wirklich viele gute Ideen. Während seines Aufenthalts in Mailand, als die Pest viele Menschen tötete, erkannte er schon 350 Jahre vor dem Wiener Arzt Ignaz Semmelweiß, dass ein Zusammenhang zwischen Hygiene und Krankheiten besteht. Deshalb machte er Pläne für ein ordentliches Abwassersystem und organisierte eine Müllabfuhr, damit nicht alles einfach auf der Straße vermoderte.
Während seiner Zeit in Rom arbeitete er an einem Projekt zur Energiegewinnung aus Sonnenlicht mit speziellen Hohlspiegeln. Er konstruierte Verteidigungsanlagen für den Hafen und arbeitete an der Trockenlegung der Sümpfe.
Außerdem schnitt er in seinem Leben bestimmt 30 Leichen auf und untersuchte den Zusammenhang zwischen inneren Krankheiten und äußeren Anzeichen. Zum Beispiel entdeckte er, dass manche Blutgefäße bei älteren Menschen verkalkt sind. Er untersuchte wissenschaftlich, wie Knochen, Muskeln und Sehnen miteinander arbeiten, lange bevor dieses Thema in der Biomechanik wieder aufgegriffen wurde. Er zeichnete alle möglichen Organe und wahrscheinlich zum ersten Mal auch Embryonen im Mutterleib.

Leonardos Studien zu Embryonen im Mutterleib,
Foto: Luc Viatour, http://www.lucnix.be

Seine Art Wissenschaft zu betreiben ging allein von der Beobachtung aus. Er machte keine Versuche. Trotzdem erkannte er viele Dinge richtig. Wären sie veröffentlicht worden, hätte es die Wissenschaft in vielen Bereichen um Jahrhunderte vorangebracht. Doch leider hatte er keine formelle Ausbildung in Latein und Mathematik. Deshalb wurde er von anderen Wissenschaftlern seiner Zeit nicht immer ernst genommen. Seine Aufzeichnungen gingen verloren. Viele Dinge mussten mehrere hundert Jahre später noch einmal ganz neu entdeckt werden.

Seine Aufzeichnungen handeln von allem und jedem. Es gibt von ihm gezeichnete Landkarten und Baupläne für Schuhe, die über Wasser laufen. Viele technischen Zeichnungen galten Waffen und Waffensystemen. Leonardo hat einen Taucheranzug für den Kampf unter Wasser gemalt, eine Dampfkanone und eine Art Panzerfahrzeug. Dazwischen sind aber auch Listen von Menschen, die ihm Geld schuldeten, Einkaufszettel, Skizzen von Gesichtern mit unterschiedlichen Emotionen, Studien zu Pflanzen und Steinformationen und die Idee, einen Whirlpool zu bauen.

Skizzen und Studien von Leonardo zum Vogelflug,
Foto: Luc Viatour, http://www.lucnix.be

Leonardo hat vermutlich nur wenige seiner Konstruktionen auch gebaut. Ihn interessierte die Idee mehr als die spätere Ausführung. Vermutlich hatte er keine Lust, seine Hubschrauber und Gleitflieger zu testen, nachdem sich 1505 bei einem ersten Versuch einer seiner Assistenten ein Bein oder ein paar Rippen gebrochen hatte. Aber 2003, fast 500 Jahre später, wurden in England einige seiner Fluggeräte gebaut und getestet. Manche funktionierten sie richtig gut, andere nicht ganz so gut. In Italien wurde auch ein von ihm erfundenes Fahrzeug gebaut, quasi das erste Auto der Welt, das mit aufgezogenen Federn (sehr) kurze Strecken fahren kann. Auch im Schloss Clos Lucé sind einige seiner Konstruktionen nachgebaut und ausgestellt.
Zumindest eine seiner Konstruktionen hat Leonardo aber dann doch umgesetzt: Für den Französischen König Franz baute er einen Roboter in Form eines Löwen, der ein paar Schritte lief und dann Blumen, natürlich französische Lilien, überreichte.

Eine Brücke, die Leonardo 1502 für den Sultan Bayazid II über das Goldene Horn von Konstantinopel bauen wollte, wurde erst 2001 verwirklicht. Architekt Vebjørn Sandbaute sie in verkleinertem Maßstab in Norwegen. Die Menschen in Konstantinopel hatten Pech. Sie mussten noch fast 350 auf eine andere Brücke warten.

Leonardo-Da-Vinci-Brücke in Ås, Norwegen,
Foto: Åsmund Ødegård 2005, cc-by-sa 2.0

Nach seinem Tod hinterließ Leonardo da Vinci eine wilde Sammlung von 6.000 Blättern mit Ideen und Skizzen zu allen möglichen Themen von Biologie, Anatomie, Technik und Waffen, bis hin zu Wasserwirtschaft und Architektur. Außerdem gibt es Landkarten, botanische Zeichnungen und Beobachtungen des Kosmos. Vermutlich hat er an einem Lexikon gearbeitet, in dem er das Wissen seiner Zeit nach Themen geordnet veröffentlichen wollte. Leider wurde das Werk nie gedruckt.

Viele der Notizbücher und Zeichnungen gingen verloren und wurden erst 300 oder 400 Jahre später wieder entdeckt. Heute sind sie unglaublich kostbar. Eine Sammlung von Blättern mit 72 Seiten, die heute Codix Leicester genannt wird, wurde 1994 von Bill Gates für über 30 Mio US-Dollar ersteigert.

Leonardo da Vinci war einfach genial. Er sah gut aus und war vermutlich ein netter Mensch. Aus Mitleid mit den Tieren aß er kein Fleisch und kaufte gefangene Vögel, um sie frei zu lassen. Er war das größte Universalgenie aller Zeiten. Er konnte eben alles. Außer vielleicht Sport. Das weiß ich nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar posten